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Die christliche Botschaft ist für alle gleich

Sie haben den Lazarus-Orden bereits in anderen Ämtern mitgeprägt. Was hat Sie bewogen, nun die Führung zu übernehmen – und was bedeutet Ihnen diese Aufgabe persönlich?

Zuerst einmal empfinde ich große Dankbarkeit gegenüber meinem Vorgänger. Er hat den Orden beinahe vier Jahrzehnte lang in unterschiedlichen Rollen geprägt – sozusagen in Freud und Leid. Dann ist da auch großer Respekt: In den fast einhundert Jahren, in denen die Großballei besteht, haben viele inspirierende Frauen und Männer mitgewirkt und gestaltet. Jeder meiner Vorgänger hat wichtige Wegmarken hinterlassen. Nicht zuletzt freue ich mich aber wirklich sehr auf diese neue Aufgabe. Ich empfinde es als große Ehre – und auch als Verantwortung –, diesen Weg nun weitergehen zu dürfen.

Welche Werte und Ideale stehen für Sie im Zentrum des Lazarus-Ordens, und wie werden sie im Alltag konkret gelebt?

Man muss nicht lange nachdenken, um Nächstenliebe und Ökumene zu nennen. Gerade die Ökumene ist unser Alleinstellungsmerkmal. Das heißt keineswegs, dass man eigene Überzeugungen aufgibt – im Gegenteil: Man wird geradezu angeregt, sich intensiver mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen. Vor allem zeigt sie, dass wir gerade in der karitativen und diakonischen Arbeit keine künstlichen Grenzen ziehen dürfen. Die christliche Botschaft ist für alle gleich – und ebenso der Auftrag, sie im Alltag zu leben. Das machen wir als Gemeinschaft bereits sehr gut und effizient. Gleichzeitig gilt es immer wieder, jedes einzelne Mitglied dafür zu sensibilisieren, im persönlichen Umfeld aufmerksam hinzusehen, wo Hilfe nötig ist.

Viele Menschen verbinden Ritterorden vor allem mit Geschichte und Tradition – wie wollen Sie diese mit den Anforderungen der heutigen Zeit verbinden?

Die Tradition gehört untrennbar dazu, und es ist doch auch schön zu wissen, dass es viele Generationen vor uns gab. Es ist etwas Besonderes, den Mantel zu tragen, das grüne Kreuz zu sehen und sich nicht nur mit Tausenden weltweit verbunden zu fühlen, sondern auch mit der eigenen Geschichte. Dabei darf man aber nie vergessen: Diese Identität ist immer auch eine Verpflichtung. Die Investitur ist einmal im Jahr – an den übrigen 364 Tagen gilt es, die Nächstenliebe ganz konkret im Alltag zu leben.

Welche Projekte oder Initiativen des Ordens liegen Ihnen derzeit besonders am Herzen, und warum?

Auch hier lassen sich Geschichte und das Jahr 2026 sehr gut miteinander verbinden. Die Hilfe für Leprakranke zeichnet unseren Orden seit jeher aus; hier verfügen wir über große medizinische und organisatorische Expertise. Diese Projekte müssen wir fortführen, weiterentwickeln und unsere Mitglieder noch stärker einbinden. Ein zweiter Schwerpunkt ist für mich das Heilige Land, wo die lazaristische Idee ihren Ursprung hat. Es wird sicherlich ein zentrales Anliegen meiner Arbeit sein, hier mehr Sichtbarkeit zu schaffen und insbesondere den Kontakt zur melkitischen Kirche weiter auszubauen.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als oberster Chef zwischen Tradition und Zukunftsgestaltung?

Das eine geht nicht ohne das andere. Als Historiker ist die Geschichte für mich natürlich besonders faszinierend, und Tradition kann und muss uns Leitplanken geben. Aber wir leben im Heute, und der Orden darf nicht zu etwas Musealem verkommen. Der Blick in den Rückspiegel allein reicht nicht aus. In den vergangenen Jahren haben wir motivierte neue Mitglieder gewonnen – das ist ein guter Anfang. Unsere Gesellschaft wandelt sich rasant, und wir müssen Schritt halten. Dazu gehören auch Themen wie zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit auf verschiedenen Ebenen. Wir tun viel Gutes – und ich glaube, wir dürfen darüber auch selbstbewusst sprechen.

Was möchten Sie Menschen mitgeben, die dem Orden von außen begegnen und vielleicht noch wenig über seine Arbeit wissen?

Machen Sie sich selbst ein Bild. Unsere Mitglieder leben nicht in einem elitären Elfenbeinturm, sondern stehen mitten im Leben. Sprechen Sie Mitglieder an, besuchen Sie Veranstaltungen – und glauben Sie vor allem nicht alles, was man im Internet findet. Wir freuen uns wirklich sehr über Mitstreiterinnen und Mitstreiter und über alle, die neugierig auf unsere Arbeit sind.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Welche Vision haben Sie für den Lazarus-Orden in den kommenden Jahren?

Glücklicherweise muss ich zu Beginn keinen Koalitionsvertrag vorlegen, an dem das neue Führungsteam gemessen wird. Spontan fallen mir aber drei Punkte ein: Erstens brauchen wir Projekte, die alle Mitglieder verbinden, bei denen jede und jeder seinen Beitrag leisten kann – auch dann, wenn man in einer Region vielleicht das einzige Mitglied ist. Zweitens müssen wir einen persönlichen Mehrwert schaffen, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, und dafür auch die mittlerweile nicht mehr ganz so neuen technischen Möglichkeiten besser nutzen. Und drittens: Wir müssen wachsen und eine motivierte Gemeinschaft aufbauen, die die Arbeit auch in Zukunft fortführt. Wir sind keine One-Man-Show – jede und jeder darf, kann und soll mitarbeiten. Dafür müssen wir hinausgehen in die Öffentlichkeit, in Kirchengemeinden, Vereine und Netzwerke. Ich wünsche mir, dass wir in fünf Jahren sagen können: Mehr Menschen kennen den Orden unter dem grünen Kreuz – und wissen, wofür er steht.

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