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Trauerrede zur Beisetzung von Pater Karl Oerder vom Leprosier Dr. Klaus Winter

- Leprosier der Großballei Deutschland
- Stellv. Vorsteher des HDZ – Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete

Als Mitglied des Kapitels des ökumenischen Ordens des Hl. Lazarus von Jerusalem möchte ich die herzliche Anteilnahme zum Tod unseres Mitbruders Pater Karl Oerder von unserem Bailli und Kanzler, Clemens Stroetmann, Staatssekretär, a.D. und allen Ordensgeschwistern überbringen.

Pater Oerder, der der Ökumene sehr nahe stand, wurde 1997 auch Mitglied unseres Ordens, der allen Christen, Frauen und Männern gleichermaßen offen steht. Über viele Jahre war er der Generalkaplan der Großballei Deutschland des Lazarus-Ordens.

Ob als Theologe, Priester, Seelsorger, Gemeindepfarrer, Erzieher, Heimleiter... Entwicklungshelfer ... oder als Missionar – auch in Deutschland – Pater Karl war beliebt und geachtet; er überzeugte alle: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Er war ein wahrer Glaubensvermittler und vor allem ein moralisches Vorbild.

Pater Karl wurde über 90 Jahre alt, gehörte davon 65 Jahre dem Orden der Salesianer Don Boscos an und war 30 Jahre weltweit für den Dienst am Menschen aktiv unterwegs. Er war mit einem „genetischen Code“ behaftet, der Helfen heißt.
Sein Leben wurde geprägt und getragen von dem Text aus der Geheimen Offenbarung, den er sich 1961 bei seiner Priesterweihe zum Leitspruch ausgewählt hat:
„Er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige“  (Geh.Off.1,17)

Wir sind heute versammelt, um von unserem Mitbruder Abschied zu nehmen und ihm in großer Dankbarkeit und Anerkennung die letzte Ehre zu erweisen. Seine vielseitigen karitativen Projekte verstanden sich stets auch als pastorale Projekte - in der Zusammenarbeit mit Freunden und Förderern, die sich im Gebet und in der Solidarität mit ihm und den Salesianern weltweit verbunden fühlten.

Von Don Bosco sagt man, dass er ein Unruhestifter unter den Zufriedenen war. Das traf auch auf Karl Oerder zu. Er konnte unzählige Menschen motivieren, sich für seine Hilfsprojekte zu engagieren. Ja, er war auch für mich in seiner Bonner Zeit der größte karitative Brückenbauer! Seine Brückenköpfe waren stets auf solidem Fundament gesetzt.

In seinem Leben war es ihm wichtig, dass sich das „Wissen“ und das „Können“ die Waage halten: Er konnte als geistlicher Sozialarbeiter sich mit seinem Wissen sich in der Lebenswirklichkeit der Menschen, besonders der hilfsbedürftigen und notleidenden zurechtfinden, und sie deshalb auch befähigen, ihr Leben (wieder) in die eigene Hände zu nehmen.

Anfang der 90ger Jahre verfing sich unter dem Zahnarzt und Ordensbruder Carl Heinz Bartels auch die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete in seinem Netzwerk und er verstand es meisterhaft, vor allem dem Hilfswerk viele Millionen Euros für „seine“ segensreichen Projekte abzunehmen – und dies auf bestürzend ehrliche Weise.

Als ich ihm in jener Zeit vermittelte, dass ich kein Katholik, ja nicht einmal ein regelmäßiger, protestantischer Kirchgänger sei, winkte er ab: „Dat iss doch ejal!“ Er blieb damit seiner Überzeugung treu, die er in Vorträgen über das Wesen seiner Mission so erklärte: „Neben der Entwicklungsarbeit müsse ein ethisches Wertesystem wiederbelebt oder aufgebaut werden. Aber das bedeute nicht zwangsläufig, dass man katholisch zu sein habe – es müsse funktionieren und die Grundwerte, die alle Religionen gemeinsam haben, müssen dabei bewahrt und vermittelt werden.“

Es sind nicht die äußeren Lebensformen, die Gelübde oder gar die Ordenstracht, vielmehr ist es der Grundauftrag:
Gott und den Menschen zu dienen.

„Wo Menschen in Freundschaft und Respekt einander zugetan sind - gerade wie hier auch in der Gemeinschaft eines Ordens, da kann jener Frieden wachsen, den die Welt (draußen) nicht geben kann“. Das waren seine Worte und seine Friedensformel lautete:
 

M + E = F


Mission im Sinne der Frohen Botschaft plus Entwicklungszusammenarbeit schaffen Frieden. .

Diese Formel bleibt für uns sein Vermächtnis.

„Machet juut!“ Ruhe in Frieden.